Auf Beschaffungsebene habe es dieses Jahr einen recht nahtlosen Übergang gegeben, führt Dreyer fort. "Wir konnten uns bis zum Start der neuen Saison mit vorverpacktem Weißkraut aus letztjähriger Ernte bedienen. Beim Rotkraut war die Versorgungslage hingegen eher knapp und die Vorräte reichten gerade so aus. Der Puffer, den wir normalerweise haben, wird uns somit möglicherweise auch im kommenden Jahr fehlen." Die Rohwarenpreise liegen derweil annähernd auf Vorjahresniveau und seien bereits seit einigen Jahren stabil.
Anfang August begann die Sauerkrautsaison: Wochenlange Hitze, Trockenheit, Thripse, Schäden durch Krähen und inzwischen sogar Wildschweine machten vor allem den Weißkohlanbau in diesem Jahr zu einer großen Herausforderung.
110 Jahre Tradition
Das Familienunternehmen Dreyer AG ist seit der Gründung 1916 im Berner Seeland beheimatet. Der Traditionsbetrieb bedient primär Gastronomen und Großhandelskunden mit Steigenware sowie Gemüseprodukte aus eigener Herstellung. "Der Sauerkrautkonsum hat sich nach dem Rückgang zu Beginn der Pandemie wieder stabilisiert. Beim Rotkraut sehen wir zurzeit einen leichten Zuwachs, weshalb ich eine Flächenausweitung im kommenden Jahr für realistisch halte. Sauerrüben sind hingegen im Laufe der Jahre zu einer absoluten Nische geworden, Tendenz weiterhin sinkend." Versuche mit neuen Produktlinien, wie zum Beispiel BBQ-Kraut im Sommer (FreshPlaza.de berichtete), haben sich nach Angaben Dreyers nicht durchsetzen können.
'Kohlanbau weiterhin attraktiv'
Der Kohlanbau hat in der Westschweiz eine lange Tradition und dies wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, prognostiziert Dreyer. "Ich wage zu behaupten, dass der Kohlanbau aus Sicht des Erzeugers weiterhin attraktiv ist. Es werden durchweg gute Preise für Industriegemüse bezahlt, die aber auch nötig sein um die steigenden Kosten, wie zum Beispiel die Dieselpreise, entsprechend auszugleichen. Die Mehrheit unserer Vertragsproduzenten sind im Alter zwischen 40 und 50 Jahren und haben somit noch mindestens 10–15 Jahre vor sich. Es gibt aber auch Höfe, die sich bereits im Generationswechsel befinden."
Die allgegenwärtigen Herausforderungen gehen auch am Kohlanbau nicht vorbei. "Viele Anbaubetriebe sind um die Mechanisierung der Land- und Erntetechnik bemüht. Kritisch zu betrachten, sind aber die vermehrten Probleme mit Thripsen, die wiederum dem Klimawandel und dem Wegfall wichtiger Pflanzschutzmittel geschuldet sind. Auch in unserer Region werden seit diesem Jahr einige neuen, hitzeresistenten Kohlsorten erzeugt und wir hoffen auf gute Ergebnisse mit Blick auf die Zukunft", heißt es abschließend.